Von einem Kleinod am Vormittag, einer kurvenreichen Fahrt ins Hochland, Tee so weit das Auge reicht, der „Stadt über den Wolken“, einer amüsanten Begegnung in einer fantastischen Unterkunft und ängstlichen Franzosen beim Abendessen.

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir unsere Weiterfahrt in das Hochland von Sri Lanka. Auf unserer Strecke lag etwas abseits der Hauptstraße ein Ort namens Embekke. Mahinda steuerte dort einen unscheinbaren, und in den Reiseführern nur kaum beschriebenen Tempel, an. Was wir zu sehen bekamen ist nur schlecht in Worte zu fassen. Der Tempel ist knapp 800 Jahre alt und besteht (bis auf wenige Außenmauern) nur aus Holz. Kein Nagel hat beim Bau Verwendung gefunden, alle Verbindungen sind aus Holz. Das Wesentliche sind aber die zahlreichen Holzschnitzereien mit denen der Tempel verziert wurde. Ein alter Herr hatte eine solche Freude, dass sich Touristen an „seinen“ Tempel verirrten, dass er uns durch das ganze Areal geführt hat. In wirklich gutem Englisch erklärte er uns die Schnitzereien und Bilder. Plötzlich entdeckte er, dass Claudia und ich unsere Buddhaanhänger tragen. Er war unglaublich begeistert, dass sich Europäer für den Buddhismus begeistern (Übrigens, wir werden täglich auf unsere Anhänger angesprochen. Den Menschen hier bereitet das eine enorme Freude), und so bekamen wir Dinge zu sehen, die sonst Touristen verschlossen bleiben. Der Herr öffnete Wandvorhänge und gab uns Einblick auf weitere Schnitzereien und zeigte uns eine heilige, 700 Jahre alte Holzfigur eines „Pfaus“, die eigentlich nur 1x im Jahr (im September) den Gläubigen gezeigt wird. Wir verabschiedeten uns herzlich und fuhren weiter.

 

Jetzt ging er los, der Anstieg ins Hochland. Unser Ziel war „Nuwara Eliya“ die „Stadt über den Wolken“, so genannt da sie doch 1860 m über dem Meeresspiegel liegt. Mit jedem Höhenmeter änderte sich die Vegetation. Die Palmen wurden weniger, dafür gab es plötzlich Kiefern und natürlich Teefelder. Soweit wir blicken konnten, das satte Grün der Teepflanzen. Wir machten halt bei einer Teefabrik und konnten den gesamten Produktionsweg beobachten. Nur 20% der Ernte landen letztlich in der Tasse, der Rest geht durch Wasserverlust, Auslese … verloren. Natürlich durften wir auch kostenfrei an einer Verkostung teilnehmen. Neben dem „normalen“ Tee gab es auch den „weißen Tee“. Hierfür werden nur die kleinsten Sprieße der roten Teepflanze verwendet. Die Sprieße werden drei Minuten aufgekocht, der Tee getrunken und anschließend die Sprieße mit Honig gegessen. Der Tee soll eine medizinische Wirkung haben. Auf Grund der Lese … ist der Tee doch recht teuer. 100 g kosten 30 US-Dollar. Gut, ich habe den Tee probiert, was soll ich sagen, er schmeckt nach … heißem Wasser. Was soll’s, probiere ich die Sprieße. Und … schmecken nach Pappe! Hauptsache gesund.

 

Frisch gestärkt ging es dann weiter zum vorläufigen Etappenziel „Nuwara Eliya“ die „Stadt über den Wolken“. Wir haben auf unserer Fahrt wirklich die Wolkendecke durchbrochen, wobei wir neben Sonnenschein auch Nebel hatten. In der Stadt stehen viele alte Gebäude aus der Kolonialzeit der Engländer. Ein Bezirk wird noch heute „Klein England“ genannt. Es war schon ein gewisser Charme zu spüren. Nach einer kurzen Rundfahrt (das eigentliche Sightseeing haben wir uns für den nächsten Tag aufgehoben) ging es zu unserem Hotel. Kein leichtes Unterfangen wie sich herausstellen sollte. Es gab keine Ausschilderung und eigentlich auch keine richtige Straße. Unser Mahinda steuerte unseren Wagen geschickt entlang von Steilhängen (man sollte besser nicht hinuntersehen). Dann tat sich plötzlich die Sicht auf unsere Unterkunft auf. Ein altes aus Natursteinen gemauertes Herrenhaus auf 2100 m Höhe. Der Anblick und der Ausblick auf die umliegenden Teefelder war beispiellos. Wir bezogen ein tolles Zimmer mit offenem Kamin und setzten uns dann in den Salon zu selbst angebauten Kaffee. In diesem Haus ist die Zeit wirklich stehen geblieben. Die Möbel, alles einfach antik. Wir quatschten mit dem Manager und er fragte uns, wie wir auf dieses Hotel gekommen sind. „Durch das Fernsehen“, so Claudia, „das Traumhotel“. Der Manager fing an zu lachen. „Der Produzent dieser Serie ist gerade mit einem anderen Filmteam da.“ Er holte ihn zu uns, erklärte den Sachverhalt. Der Produzent war so begeistert, dass er uns bat diese „Geschichte“ für ihn aufzuschreiben. Er hat sich so gefreut, er war ganz außer Rand und Band.

 

Den restlichen Nachmittag verbrachten wir damit den Garten des Hauses zu erkunden, bevor wir uns dann auf die Terrasse setzten um nahezu zwei Stunden mit Mahinda über „Gott und die Welt“ zu reden.

 

Das anschließende Abendessen hatte seinen ganz besonderen Reiz. Im Speisesaal des Herrenhauses war eine große Tafel gedeckt. Jedes Zimmer des Hauses hat einen eigenen Namen. Jeweils zwei gegenüberliegende Plätze der Tafel waren mit dem Zimmernamen versehen. Die Paare saßen sich folglich gegenüber, daneben eben die Gäste der anderen Räume. Insgesamt sind nur fünf Zimmer in diesem Haus, dementsprechend klein ist die Gästezahl. Neben uns nahmen Franzosen ihren Platz ein. Ein leicht skurriles Pärchen (er hätte in einem Gangsterfilm ohne Maske einen Bösewicht spielen können). Ihnen war die Situation des „Zusammensitzens“ nicht behaglich und machte daraus auch keinen Hehl. Sie meinte, dass ihr die ganze Atmosphäre nicht angenehm sei. Sie habe sogar Angst! Zum Verständnis; das Licht im Raum war gedämpft (nur Kerzenschein), die Wände waren rot getüncht, die Möbel waren dunkel. Auf ihre Frage, wie wir auf dieses Hotel gekommen sein erzählten wir die Geschichte vom „Movie“. „Ob es ein Gruselfilm gewesen sei?“ Ich verneinte, „eine Liebesgeschichte“. Sie gab sich dann erleichtert, „sie hätte diese ganze Szenerie nämlich an die „Adams Family“ erinnert und fühle sich dementsprechend unwohl. Was haben Claudia und ich auf dieser Reise weiter über den französischen Nachbarn gelernt? Richtig, er hat Angst vor Kerzenschein und roten Wänden.

 

Demnächst mehr.